Das tote Theater

Stadtleben | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Auf der Wieden steht eine heruntergekommene Bühne, deren Geschichte vergessen wurde. Über kleine Theaterprojekte, Spekulation und die andere Seite der Wiener Kulturpolitik

Reportage: Martina Powell

Lila Farbe blättert von der Fassade. Die Fenster sind verklebt, die Eingangstüren verschlossen. Ein dumpfer, abgestandener Geruch kommt aus den Ritzen des Hauses Mittersteig 15 mitten auf der bürgerlichen Wieden. Eingequetscht zwischen einem Penny-Markt, Altbauwohnungen und dem Mittersteig-Espresso der „Schandfleck von Wieden“, wie das Bezirksblatt schreibt. Die Geschichte des verlassenen Theaters, über dessen Eingang „Mala Strana“ steht, erzählt von Immobilienspekulationen und Intrigen. Und von einer städtischen Kulturpolitik, die auf vieles vergisst, was unterhalb von Burgtheater und Staatsoper rangiert.

Das Mittersteig-Theater liegt im Keller des Gründerzeitgebäudes, hinter fest verschlossenen Eisentüren; fünf Meter unter dem Asphalt und dem perfekt arrangierten Blumenbeet

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