Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Stirn an Stirn im Darkroom der Politik

Vollstreber wie der BZÖ-Mann Mariacher wissen: Das neue Jahrzehnt hat ja noch gar nicht angefangen! Jahrzehntrückblicke also verschieben! Trotzdem sind die Zehnerjahre angebrochen und haben schon vieles geliefert, auch wunderschöne neue Begriffe, vor allem im total verwirrten dritten Lager. Schwer zu favorisieren sind bis jetzt: der Einbruchstsunami (kommt 2010) und der parteipolitische Darkroom (wo dubiose Bünde geschmiedet werden wie die FPK, was ja auch wirklich obszön-pornografisch klingt). Der Darkroom hat große Faszination für Heteromänner, weil sie ein bisschen neidisch sind auf diese Möglichkeit des unkomplizierten Cruisens (auch die Zeremonie der eingetragenen Partnerschaften würden sie am liebsten dorthin verlegen). Als immer außen Stehender stellt man sich einen Darkroom wie einen Marktplatz vor, wo Körper und Körperteile zum Tausch geboten werden. Und was hat ein Rechtsnationaler zu bieten? Richtig, die Stirn! Die Stirn bieten ist eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen: den Grünen, dem Einbruchstsunami, dem Landtag, der Justiz, der Regierung, der Einwanderung, der Islamisierung undsoweiter. Dem Freund das Herz, dem Feind die Stirn (so sagen die Burschen). Aber Freund und Feind sind in diesen Tagen schwer zu unterscheiden, man kann es nicht an der Stirn ablesen, vor allem nicht in Darkrooms. Zwei Körper Stirn an Stirn sind manchmal Wellen, und die Nacht ist Meer.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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