Phettbergs Predigtdienst

Keine Chance am Taxistand

Kiolumnen | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Heute hab ich keinen Schritt ins Freie getan. Das wird Laßnitzhöhe aber freuen! Morgen muss ich wieder die zwei Tabletten gegen ’s Speiben nehmen. Graz ist gefährlich weit! Denn als ich mit dem Taxi zur Falter-Weihnachtsfeier fuhr, stand ich das letzte Mal knapp davor. Der Falter hält immer geheim, wo die Weihnachtsfeier sein wird, und als Roman es mir vorlas, hörte ich nicht zu, obwohl ich dort sogar schon einmal „Beichtphater Phettberg“ abgehalten hatte. Der Weg war so weit, dass ich knapp vorm Speiben stand.

Die Taxifahrer dürften mir am Gesicht ablesen, dass ich speibbereit bin. Roman war Zeuge am 22. Dezember 09! Kein Taxi war bereit, mich mitzunehmen. Hab ich ein Zeichen „Speibgefahr“ im Gesicht stehen? Ich geh so langsam, dass alle Taxifahrys vor mir davonrennen. Warum nur, warum? Fest steht auf jeden Fall, ich hab noch nie in ein Taxi gespieben! Nur weil ich langsam gehe, können die Taxis mich doch nicht nicht mitnehmen. Roman stand neben mir und war Zeuge, wie ich oft kurz vorm Weinen um Taxis bettelte. Vom „Star“ zum ... Doch dann nahm sich eine Taxifahrin behutsam meiner an.

Wenn man ein Taxi ruft, geht das maschinell. Der Portier braucht nur auf einen Knopf drücken und nach drei bis fünf Minuten ist eines da! Aber am freien Markt hab ich keine Chance! Wie oft hab ich schon im [LO:GE] kein Taxi gekriegt! Gut, ich bin Exhibitionist in Wien. Exhibitionist in Wien und Winter. So was lieben wir Masos auch noch zusätzlich! Da hab ich dann gar keine Chance! Ja, New York, aber Wien? In kurzen Jeans und Doc Martens, Schnürstiefel und körperbehindert, da ist die publizistische Wiener Szene strikt dagegen, Krone und Österreich. In kurzen Hosen und im Winter. Ich hatte eine Doppelseite im Spiegel, das tröstet mich zurück.

Ich werde nie nach New York kommen, aber ich würde das trotzdem gerne einmal testen. Beim Flugzeugfliegen hab ich nie Speibreize, beim Autofahren so nahe in Wien aber schon. Woran das wohl wieder liegt? Allein wenn ich hier „kurze Bluejeans und lange Schnürstiefel“ hertipp, reckt es mich, aber woanders! Was soll ich tun, ist das mein Gegenrecken? Ewig allein und trotzdem „noch“. Hat sich denn die ganze Stadt gegen mich verschworen?

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.

Unter www.phettberg.at ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


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