Lexikon

Schluss mit lustig! Ab in den Schützengraben!

Peter Konwitschnys legendäre Dresdner Csárdásfürstin in Graz

he Herwig G. Höller | aus FALTER 03/10 vom 20.01.2010

Von einem "Operetten-Krieg in Dresden" wusste die Tageszeitung Welt Anfang 2000 zu berichten, von Operettenfans, die die Welt nicht mehr verstanden, nichts von Schützengräben, Trümmerhaufen und Adolf Hitler in der altehrwürdigen Semperoper wissen wollten.

Vor genau zehn Jahren verursachte Peter Konwitschny mit Emmerich Kálmáns "Die Csárdásfürstin" einen veritablen Skandal, unter Neointendantin Elisabeth Sobotka bringt Konwitschny nun seine damals von konservativen Operettenaf cionados attackierte und von der Semper oper sogar zensurierte Fassung auf die Grazer Opernbühne. Was hatte der mehrfach ausgezeichnete Regisseur getan? Kálmáns Operette, die kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Budapest und Wien spielt und im November 1915 uraufgeführt wurde, war von Konwitschny einfach in die Entstehungszeit verlegt worden, in Schützengräben, mit Stahlhelm und mit allem, was zum später oft so wunderbar verklärten Ersten Weltkrieg dazugehört. Durchaus naheliegend, handelt die Operette schließlich vom Wiener Fürstensohn Edwin Ronald (in Graz: Ladislav Elgr), dessen Vater Leopold Maria (Gerhard Balluch) eine geplante Mesalliance mit der Varieté-Sängerin Sylva Varescu (Éva Bátori) zu verhindern sucht. Zur Verhinderung der Ehe bekommt Edwin Ronald einen gefälschten Einberufungsbefehl. Und ausgiebig ist auch die Rede vom Weltuntergang, singt Feri Bácsi (Götz Zemann) im Lied "Nimm Zigeuner deine Geige" trotz Happysound: "Weißt du, wie lange noch der Globus sich dreht. Ob es morgen nicht schon zu spät!"

Oper Graz, Sa (Premiere), Mi 19. 30


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