Kunst. Kritik

Prekäre Skulpturen für eine prekäre Welt

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Vom Stuhl, der einst in einem stilvoll eingerichteten Esszimmer gestanden haben mag, sind nur mehr Fragmente der Rücken- und Armlehne erhalten. Ein goldenes Tierwesen posiert darauf, ähnlich jenen Löwen, die das Eingangsportal imperialer Behausungen bewachen. Orangefarbene Fäden leiten vom Sesselfragment zu einem Gitterkorb über. Der Blick auf die Details dieses eigenwilligen Arrangements rastet bei einem geometrischen Gebilde aus Metall ein, in welches das Ganze mündet. „The Private Citizen“ heißt diese Arbeit, die zugleich titelgebend für die erste Wiener Präsentation des Briten Ben Washington ist. 1981 geboren, gehört der Künstler einer Generation an, für die Picasso und Co als Erfinder der Assemblage nur mehr als vage Bezugsgrößen dienen.

Washingtons kompositorische Verfahrensweise, das Kombinieren vorgefundener, massenproduzierter und selbstgefertigter Versatzstücke, bezieht ihren Rückhalt vielmehr aus der Technik des Sampelns. Auf sie greift er zurück, um die Künstlichkeit aufzuzeigen, mit der sich der Mensch in sein Umfeld einschreibt, sich seine Umgebung aneignet. In einem faltbaren Picknicktisch, aus dem eine papierene Flamme lodert, artikuliert sich dies für ihn ebenso wie in der ironisch betitelten Arbeit „König der Straße“. Höchst prekär mutet diese durch horizontal aus der Wand strebende Balken an. Die darauf platzierte künstliche Yuccapalme liest sich wie eine Metapher für das ins Wankende geratene ökologische Gleichgewicht.

Washingtons Schaffen als gesellschaftskritisch zu deuten wäre dennoch verfehlt. Vielmehr, dafür sprechen die mitunter karikaturhaften Züge seiner Werke, zieht er freche Andeutungen großen Behauptungen vor.

Galerie Dana Charkasi, bis 27.2.


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