Kunst.Tipp

Im Heim für selbstkuratierte Innerlichkeit

Lexikon | Matthias Dusini | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Zeige mir, wie Du wohnst, und ich sage Dir, wer Du bist“, schreibt die Künstlerin Ingeborg Strobl in dem Kommentar zu der von ihr kuratierten Ausstellung „Wir wohnen“ im Kunstraum Niederösterreich. Kunst in privaten Räumen und Wohnen als Kunstform ist das Thema zahlreicher aktueller Ausstellungen. Auch in dieser Schau wird die Wohnung als Ausstellungsort zum Thema: Prinzgau/Podgorschek zeigen „Vier Beine für Rosa“, einen Biedermeiertisch mit einer rosa Kunststoffplatte. Sie thematisieren damit die Biedermeierzeit als jene Epoche, in der Privaträume zur Bühne bürgerlicher Repräsentationswünsche wurden; die Plastikplatte ist die moderne Verfremdung dieses frühmodernen schöner Wohnens. Alexandra Schlag macht den ebenfalls aus der Biedermeierzeit stammenden Möbeltypus Vitrine zu ihrem Thema: Sie arrangiert kleine Plastiktiere, Steinchen und anderen Nippes zu Altären; die Wohnung wird zum Ort der Selbstkuratierung.

Trude Lukacsek legte eine Sammlung von Reisesouvenirs an; die individuelle Erinnerung überschneidet sich mit der kollektiven. Die Kuratorin wählte überwiegend Künstler aus, deren Werk die Privatsphäre selten verlassen. Stefan Gyurko zeigt Assemblagen, die ironisch das eigene Dasein kommentieren. „Heim für ledige Männer“ heißt eine dieser kleinen, informellen Bastelskulpturen aus Holz, in der eine Streichholzschachtel wohl als Bett vorgesehen ist. Der thailändische Künstler Suvat lebt schon seit Jahrzehnten in Wien. Um seine virtuosen, komisch-unheimlichen Gruppenporträts – die Menschen sitzen und liegen in schwarzen, nur von einigen Linien angedeuteten Räumen – sehen zu können, muss man für gewöhnlich bei ihm zuhause anklopfen.

Kunstraum Niederösterreich, bis 15.3.


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