Theater.Kritik

Bösmenschen im Puff

Steiermark:Lexikon | Wolfgang Kühnelt | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Zuerst gibt es 90 Minuten lang im Grazer Theater im Keller „A Hetz“. Danach geht es allen im Publikum besser. Aus unterschiedlichen Gründen. Die einen haben sich köstlich amüsiert über die Kalauer des Autors Franzobel und über die derben Szenen auf der Bühne, die Reinhard Ulrych haarscharf an der Scham- und Peinlichkeitsgrenze entlang inszeniert. Die anderen haben ihr Gewissen befriedigt. Sie haben nämlich ein Problemstück über die Situation von Einwanderern in Österreich gesehen – „die letzten Tage der Menschlichkeit“, wie es der Untertitel des Stücks verheißt. Die dritte Gruppe ist einfach nur froh, dass es vorbei ist.

Dabei sind die schauspielerischen Leistungen durchwegs gut, vor allem Alfred Haidacher (in nicht weniger als fünf Rollen!) und Ulli Emmer überzeugen. Die technische Umsetzung ist für ein Kellertheater erstaunlich gelungen. Und das Thema könnte dank Strache und Fekter aktueller nicht sein. Der tiefe Griff in sämtliche Klischeetöpfe, den Franzobel seinen Figuren zumutet, ist aber auf die Dauer schwer zu ertragen. Da die böse Wirtschaft und der geschleckte Rechtspopulist, dort die von der Abschiebung bedrohte Migrantin, die im Puff putzen muss, und der junge Türke, der mit den Rechten sympathisiert. Zynisch im Tonfall und im Gefüge des Stückes überflüssig ist eine locker eingestreute „Show“ mit dem Titel „Der Arme der Woche“. Überzeugende Aufklärung über Fremdenhass und die Ängste, die von der Politik nur zu gerne verstärkt werden, kann dieser Abend so unmöglich leisten. Geht’s vielleicht das nächste Mal ein bisschen subtiler?

Theater im Keller, Fr, Sa und Di-Do 20.00


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