Musiktheater.Kritik

Monty Python und die Welt von gestern

Steiermark:Lexikon | Herbert Schranz | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Peter Konwitschnys Inszenierung von Emmerich Kálmáns „Csárdásfürstin“ an der Grazer Oper scheint sich an einem epochemachenden Detail der Heeresgeschichte aufzuhängen: Ende 1915, als die Operette in Wien uraufgeführt wurde, waren die bunten Uniformen aller Weltkriegsarmeen einem einheitlichen Tarngrau gewichen, der moderne Krieg und das 20. Jahrhundert hatten eigentlich begonnen.

Der bunte Glanz der vergnügungssüchtigen Budapester Varietéwelt war dahin. In den charakteristischen Kostümen von Johannes Leiacker lebt er inwendig noch nach, das militärische Tarngrau ist allen Akteuren nur übergeworfen, der Mensch ist ja antiquiert. Leiackers Bühne durchzieht die Hans-Markart-Welt des Budapester „Orphéums“ mit Schützengräben, Peter Konwitschny lässt das Varieté als Aushubskommando mit Spaten tanzen und markiert mit schwarzem Monty-Python-Humor den grotesken Konflikt. Der Skandal, den bei der Dresdner Premiere 1999 ein kopfloser tanzender Soldat (mit-)verursachte, blieb in Graz ganz aus, offenbar verstand das Publikum den Bezug zum britischen Humor der „Ritter der Kokosnuss“ hier besser.

Dennoch haftet Konwitschnys Regie auch etwas Zähes an, und nicht nur einmal musste eine heulende Granate über Längen im Spielfluss notdürftig hinwegretten. Die älteren Darsteller, etwa Gerhard Balluch als Fürst Leopold und Götz Zeman als Feri, spielten freilich großartig, auch das zweite Paar Stasi (Sieglinde Feldhofer) und Boni (Martin Fournier), weniger aber das erste, Edwin (Ladislav Elgr) und Sylva (Éva Bátori), die „Csárdásfürstin“, deren Stimme zudem nicht recht tragen wollte. In überlegt flexiblen Tempi führte der Neuseeländer Tecwyn Evans die Grazer Philharmoniker auf der Spitze seines Taktstocks.

Oper Graz, nächste Aufführung am 6.2., 19.30


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