Tiere

Kommt zusammen

Falters Zoo | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

„Was geht mich Vietnam an? Ich habe Orgasmusschwierigkeiten“

Rainer Langhans, 68er-Symbolfigur

Wir stehen noch immer am Strand des neuen Jahres und blicken nach Orientierung suchend auf den Ozean der kommenden Monate. Im Rucksack befinden sich rasch dahinschmelzende gute Vorsätze und der Wunsch, ein schöneres, prächtigeres Leben zu führen. Diese dunstigen Visionen zeigen uns oft neben schnellen Autos, guten Drogen und lautem Rock ’n’ Roll auch attraktive, wechselnde Partner.

Und schon wacht man wie der US-Golfer Tiger Woods in einer Sexklinik auf, in der man von seiner „Orgasmussucht“ (wie Ö3 berichtete) geheilt werden soll. Wer in den neuen 10er-Jahren lifestylemäßig etwas weiterbringen möchte, der verschmilzt Sex und Sucht einfachheitshalber zu einem Problem und stellt sich so in die Reihe mit prominenten dirty old men wie David Duchovny, Michael Douglas und Jack Nicholson. Interessanterweise ist die Unterstellung, jemand sei Nymphomanin, weitgehend außer Mode gekommen. Bei Männern hingegen ist das, was „solche“ Frauen offenbar aus eigenem Antrieb tun, vielmehr eine über sie gekommene Krankheit, die ärztlich behandelt werden muss.

Alfred Kinsey, der US-amerikanische Biologe und Sexualforscher, schrieb dazu im Vorwort zu seinem 1948 erschienenen ersten Report über das Sexualverhalten von Frauen ironisch und fast im Stil eines Gag-Writers: „A nymphomaniac is a woman who has more sex than you do.“

Nur wusste man damals überhaupt noch nicht, wie viel und welche sexuellen Aktivitäten in einer durchschnittlichen amerikanischen Partnerschaft üblich waren. Moderne Sexualwissenschaftler lehnen mittlerweile jede Quantifizierung von sexuellen Handlungsweisen ab, da eine Normierung des Verhaltens im Bereich der Sexualität nicht sinnvoll ist. Bei Menschen wohlgemerkt, und deswegen entdeckt die Forschung zunehmend die Orgasmusfähigkeit der Tierwelt. Als die schwedische Fischereikommission Gründe für die zunehmende Unfruchtbarkeit von Bachforellen suchte, kam man zum Ergebnis, dass die Fischinnen sexuelle Erregung bei 67 von 117 Geschlechtsakten nur vorgetäuscht hatten. Die vergeblich ausgestoßenen Samen fanden dadurch keine passenden Eizellen und gingen so den Bach hinunter.

Ich empfehle auch hier die Einweisung in eine Sexklinik.

Peter Iwaniewicz ist Biologe und schreibt im Falter seit 1993 über das Tier im Menschen


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