Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Ein berühmtes indisches Sprichwort lautet: „Wenn der Maharadscha gebuttert wird, haben seine Stellvertreter lange Wege.“ Unter Indologen wird seit Jahrhunderten über den tieferen Sinn dieser Sentenz gestritten. Dabei ist der vollkommen klar! Naja, die Wissenschaft braucht auch Futter. Von der Feng-Shui-Ecke gibt es auch nichts wirklich Neues zu berichten (irgendein Witzbold hat eine Handbürste der Firma Frieb dort aufgestellt, wahrscheinlich um seinen billigen säkularen Sarkasmus über diesen spirituellen Ort auszugießen, was ich zutiefst missbillige). Ich hoffe, dass der Chefredakteur aba* „der Gesalbte“, wenn er aus Indien zurückkehrt, die konfessionelle Vielfalt der Feng-Shui-Ecke erweitern und bereichern wird – vorzugsweise durch Ganesha, den beliebten vierarmigen Elefanten und Gott des Hindernisse-aus-dem-Weg-Räumens.

Derweil müssen die stellvertretenden Chefredakteure viel Stiegen steigen. Redaktion und Artdirektion liegen nämlich in unterschiedlichen Etagen des Falter-Media-Towers. Dort begegnen einander zum Beispiel Florian Klenk und Raphael Moser. Klenk mosert Moser an, die Feuilletonaufmacherseite hätte die Schlafkrankheit. Dann geht Klenk wieder runter, und Moser ruft mich an: „Komm doch mal rauf, wir müssen was besprechen.“ Ich tue wie geheißen, Moser und ich wiegen gemeinsam die Köpfe und machen alles ganz anders. Dann gehe ich wieder runter. Auf diese Weise entsteht eine tolle Zeitung, die südlich des Donaukanals ihresgleichen sucht.

* deutsche Übersetzung des geläufigen englischen „aka“ (= also known as): „auch bekannt als“


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