Kommentar.Bildungspolitik

Die Uni brennt, die Uni brennt, geben Sie es doch zu, Frau Karl!

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Die gute Nachricht zuerst: Reinhold Lopatka ist nicht ÖVP-Wissenschaftsminister geworden. Stattdessen kommt jemand, der den Unibetrieb von heute aus der Nähe kennt: Beatrix Karl, Wissenschaftssprecherin der Volkspartei und ÖAAB-Generalsekretärin.

Die schlechte Nachricht: Für welche Bildungspolitik sie eintritt, ist bisher unbekannt.

Karl gilt zwar als Liberale in ihrer Partei und wirkte als Sozialpartnerin erfrischend gesprächsbereit. Doch in der Hochschuldebatte fiel die 42-Jährige bisher kaum auf, blieb brav auf ÖVP-Linie. So verteidigte sie pflichtbewusst das Budget, das ihr Vorgänger Johannes Hahn ausgehandelt hatte. Ihre Antwort auf die Studentenproteste waren Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren. Mit eigenen Themen trat sie nicht hervor.

Diesen Freitag will Karl ihre Vision vom Hochschulsektor präsentieren. Hoffentlich hat sie überhaupt eine. Von der neuen Wissenschaftsministerin sind zwei Dinge gefordert: erstens ein Eingeständnis, dass die Probleme an den Unis tatsächlich groß sind und der Protest berechtigt ist. Hahn tat bisher so, als hätte er mit 34 Millionen Euro aus seinem Notbudget alle Probleme gelöst.

Zweitens muss man auch die Qualität der Lehre diskutieren dürfen. Da gäbe es durchaus Handlungsspielraum für die Bürgerliche. Bei der Umsetzung des Bologna-Prozesses wurden etwa die Wahlmöglichkeiten im Studium eingeschränkt. Hier könnte Karl nachjustieren. Als Wissenschaftsministerin hat sie freilich eines der schwierigsten Ressorts – allerdings auch eine Chance. Gemessen an ihren Vorgängern kann es für sie gar nicht so schwierig sein, mit ambitionierten Ideen aufzufallen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige