Am Apparat.Telefonkolumne

Sie haben die Hymne 2002 erweitert, Herr Emersberger?

Politik | Interview: Stefan Apfl | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Da ist sie wieder, die Bundeshymnendebatte. Diesmal hat Christl Stürmer sie ausgelöst. Im Auftrag des Unterrichtsministeriums hat sie eine Rockversion mit der Texterweiterung „großer Söhne und Töchter“ verfasst. Der Dressler-Verlag, der die Rechte verwaltet, droht mit Klage. Der Songtexter Helmut Emersberger, 41, hat die Hymne bereits vor Jahren „geändert“.

Herr Emersberger, Sie haben die Bundeshymne bereits 2002 umgeschrieben?

Ja, ich habe die Zeile „große Töchter, große Söhne“ vorgeschlagen.

Wie kam es dazu?

Die Bundeshymnendebatte sucht unser Land ja in periodischen Abständen heim. Weil mir die ventilierten Varianten an den Haaren herbeigezogen erschienen, habe ich mir halt Gedanken gemacht. Und dann ruft mich eines Tages die Tini Kainrath an ...

... von den Rounder Girls?

Genau. Der ÖFB habe sie engagiert, vor dem ersten Heimländermatch von Hans Krankl als Teamchef die Hymne zu interpretieren. Also hab ich ihr die Änderung empfohlen, und sie hat es gesungen. Das war 2002 beim Spiel gegen Kamerun.

Wie ist die Hymne angekommen?

Extrem gut! Der damalige Bundespräsident Thomas Klestil hat es mit schreckgeweiteten Augen über sich ergehen lassen. Nach dem Match hat niemand über das Spiel gesprochen, sondern nur über die Bundeshymne.

Gab es damals auch Probleme?

Megawickel! ÖFB-Präsident Stickler hat die Tini am nächsten Tag angerufen. Feministische Politikerinnen haben ihr Blumen geschickt.

Kam es auch zu Klagsdrohungen?

Irgendwer ließ eine Klage wegen Verächtlichmachung eines Staatssymbols prüfen. Am Ende des Jahres gab es im ORF den berühmten Sportjahresrückblick. Raten Sie mal, was zu hören war, als sie den Krankl mit der Hand auf dem Herzen gezeigt haben.

Eine andere Version?

Die Blasmusikkapelle!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige