Mediaforschung.Nachfragekolumne

Herr Böhler, warum jagen Sie den Menschen Angst ein?

Medien | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Haben Sie schon einmal von der Krankheit Lungenhochdruck gehört? Steht man dieser Tage an der Straßenbahnhaltestelle, dann erfährt man via City Light, dass jeder davon betroffen und binnen drei Jahren tot sein könnte.

Es ist schon sonderbar, wenn die aus einem Sarg steigende Dame, der ausgerechnet vor einem Wartehäuschen der öffentlichen Verkehrsmittel platziert ist, einem von der Werbefläche so unvermittelt entgegenblickt. Ein anderes Sujet der österreichweiten Kampagne beinhaltet einen Mann mittleren Alters bei der Gartenarbeit, ein weiteres ein Mädchen im Kinderzimmer, den Teddybären in der Hand. All den Plakaten ist ein unübersehbares Accessoire gemeinsam, der Totenschrein.

„Ein dramatisches Thema muss so transportiert werden, dass die Menschen den Ernst der Lage sofort erkennen“, erklärt einer der verantwortlichen Werber, Eduard Böhler von der Agentur Wien Nord, die Entscheidung für das drastische Stilmittel. Lungenhochdruck ist eine der wenigen Krankheiten, die noch weitgehend unerforscht sind. Dadurch wurden die entsprechenden Diagnosen erst in einem sehr späten Stadium oder gar nie gestellt. Auch sehr junge Menschen sterben plötzlich ohne auffällige Symptome. Häufig ist dabei Herzversagen die Todesursache, ohne dass ein Zusammenhang zu einer etwaigen Lungenerkrankung hergestellt werden kann. Mittels der Kampagne, die auch auf Radio, Print und Direct Mail ausgerichtet ist, sollen nun Gelder für Forschung aufgebracht werden.

„Wir haben uns für die Darstellung jüngerer Menschen entschieden, weil es deutlicher macht, wie unerwartet die Krankheit gerade auch in einem Alter kommt, in dem man nicht damit rechnet“, begründet der Werber die Wahl seiner Figuren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige