Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Das Mädchen aus dem Verlies sitzt vor seinem persönlichen Interviewer und gibt ihm einstudierte Antworten auf abgesprochene Fragen – so sieht es aus, wenn der ORF über Natascha Kampusch berichtet. Einen ganz anderen Umgang mit der jungen Frau wählte jetzt eine ARD-Doku, die sich ATV für den österreichischen Markt gesichert hat. Ohne falsche Gefühlsduselei, ohne klebriges Mitleid wird hier der Fall Kampusch mit Interviewsequenzen und nachgespielten Szenen erzählt. Für die Doku kehrt Kampusch in das Haus ihres Entführers Wolfgang Priklopil zurück. Die Bilder aus der tristen Kleinbürgeridylle sind ruhig, aber eindringlich; die Aufnahmen aus dem Kellerverlies geben einem eine Ahnung von dem beklemmenden Gefühl, das Kampusch hier während ihrer Gefangenschaft gehabt haben muss. Der nüchterne Blick des Filmers gibt ihr das zurück, was ihr die heimischen Medien meist verwehrt haben: ihre Würde. Christoph Feurstein dürfte beim Zuschauen der Neid gefressen haben.


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