Wir beschweren uns in Großbuchstaben

Feuilleton | Reportage: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Raunzen auf hohem Niveau: In Neubau formierte sich der Wiener Beschwerdechor und absolvierte seine erste Probe

Kaum hatte Chorinitiator Oliver Hangl die Notenblätter verteilt, begannen die Sängerinnen und Sänger, sich lauthals zu beschweren: Man könne den Text nicht lesen, die Noten seien viel zu klein gedruckt. Später raunzten die Altstimmen, das sei doch viel zu hoch. Auch die Soprane schimpften, so hoch käme ja niemand hinauf. Tenöre und Bässe brummten nur ein wenig, schienen aber zufrieden. Auch Chorleiter Stefan Foidl blieb gelassen, Komponist David Hebenstreit, besser bekannt als Sir Tralala, entschuldigte sich jedoch, gelobte Besserung, und einen Moment lang stand dann plötzlich doch so etwas wie ein Kunstwerk im Raum. Schön.

In der Bezirksvertretung Neubau traf sich vergangene Woche erstmals der neugegründete Wiener Beschwerdechor. Fast 50 Männer und Frauen waren gekommen, um im Festsaal singend ihrem Ärger Luft zu machen. Beschwerdechöre gibt es in vielen Großstädten,


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