Die ganze Welt in einem Satz

Feuilleton | Würdigung: Erich Klein | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

150 Jahre und noch immer kein bisschen staubig. Alles Gute, Anton Tschechow!

Ich bekomme acht Kopeken für die Zeile. Man arbeitete wie ein Affe, legt sich um fünf Uhr morgens schlafen. Ich schreibe für die Zeitschriften auf Bestellung, und nichts ist schlimmer, als sich zu bemühen, den Termin einzuhalten.“

Die Klage des damals 23-jährigen Mannes über die literarischen Produktionsbedingungen wird nicht mehr verstummen – auch nicht, als Anton Tschechow der unangefochtene Star des Moskauer Künstlertheaters ist und in zahlreiche Fremdsprachen übersetzt wird.

In Moskau studiert Tschechow zuerst Medizin. Mit dem Schreiben beginnt er nebenher – skurrile Boshaftigkeiten im Stile Gogols für Petersburger und Moskauer Zeitschriften: „Der Dicke hatte gerade im Bahnhofsrestaurant zu Mittag gespeist, und seine fett benetzten Lippen glänzten wie reife Kirschen. Er roch nach Sherry und Fleur d’Orange. Der Dünne dagegen war soeben aus dem Zug gestiegen, bepackt mit Koffern, Bündeln und


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