Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?

Theaterkritik: Wolfgang Kralicek | Feuilleton | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Paint it black: Mit einem pechschwarzen Hauptdarsteller inszeniert Jan Bosse Shakespeares „Othello“ im Akademietheater

Othello“ ist ein komisches Stück. Der Plot erscheint simpel: Eifersüchtiger Mann bringt seine Frau um. Tragische Pointe: Seine Eifersucht war unbegründet. So weit, so klar. Aber jetzt beginnen die Probleme.

Erstens ist Frauenmörder Othello, ein venezianischer General, einer Intrige seines Fähnrichs Jago auf den Leim gegangen, dessen Motiv (Othello hat ihn nicht zum Leutnant befördert) reichlich dünn ist: Woher kommt der Hass? Zweitens ist Othello ein Schwarzer, was im Stück zwar kaum thematisiert wird, aber zumindest aus heutiger Perspektive die Frage aufwirft, inwiefern auch Rassismus in dieser Tragödie eine Rolle spielt.

Voriges Jahr bei den Festwochen machte Peter Sellars schon durch die Besetzung (Othello war nicht der einzige Farbige im Ensemble) deutlich, dass Hautfarbe für ihn kein Thema ist – ein politisch zwar korrekter, aber auch etwas langweiliger

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