Wenn der Hotdog mit dem Monsun fällt, begreift ein jeder: Das ist die Schattenseite der Konsumwelt!

Feuilleton | Filmkritik: Klaus Nüchtern | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

In der Schlüsselszene des Films, in der das Schicksal der Erde von dem der Protagonisten abhängt, baumelt irgendwo in der Troposphäre oder sonstwo ein junger Erfinder an einem Seil, das in einen erdnusssplitterübersäten Krater hängt und von einer unter anaphylaktischem Schock stehenden Wettermoderatorin gehalten wird, während der ehemalige Baby-Star eines Sardinendosen-TV-Spot, der sich mittlerweile zu einem adipösen jungen Mann ausgewachsen hat, im Leib einer malignen Brathähnchenmutation steckt.

Alles klar? Wohl eher nicht. Und das ist noch nicht einmal das größte Problem des Films. Hat man das in ungelenker Wortwörtlichkeit eingedeutschte „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ von Anfang an gesehen, kann man der Handlung schon „irgendwie“ folgen – was die Sache freilich aber um nichts besser macht.

Wer Spike Jonzes Filmadaption des Kinderbuchklassikers „Wo die wilden Kerle wohnen“ umständlich und überexplikativ fand, der sollte sich ansehen, was Phil Lord und Christopher Miller aus einer ähnlich knappen Vorlage, Judi und Ron Barretts Kinderbuch „Cloudy with a Chance of Meatballs“ (1978), gemacht haben: ein bombastisches, in ebenso ekelhaften wie sinnreichen Food-Splatter-Sequenzen schwelgendes Prequel, das erklärt, warum es bei Barrett & Barrett Fleischbällchen regnet.

Dabei hätte man mit dem Personal – ein vor allem aus Schnauzbart und Brauen bestehender Modernisierungsverlierer, der in Fischereimetaphern spricht; ein schmieriger Bürgermeister mit Leopold-Gratz-Frisur; ein hyperaktiver, schwarzer Polizist mit überschießender Zuneigung zum eigenen Sohn – was wirklich Witziges machen können. Stattdessen wird das Überwältigungskino des Roland Emmerich in den Animationsfilm eingeführt, der sich – zuletzt in dem aufwühlenden Meisterwerk „Up“ – auf so altmodische Tugenden wie Figurenzeichnung und Storytelling konzentrierte. Ich glaub, mich streift ein Käseburger!

Ab 29.1. in den Kinos


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