Hundert Jahre Zeitausgleich. Befindlichkeitskolumne

Woodstock oder: Wir machen die Schweine kalt

Steiermark | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Der Holocaustvergleichsaward der Woche geht an die Poster von kleinezeitung.at für die Kommentare zum Söldner (!) Schweineversuch. Sicher: Man könnte sich bessere Tode vorstellen, als lebendig in einer Lawine vergraben zu sein. Geschlachtet und für 2,30/Kilo verkauft zu werden gehört aber eher nicht dazu. Diese uns in Gewohnheit, Gewebe und Genen so ähnlichen Tiere haben einfach keine Lobby, was damit zu tun hat, dass sie uns nicht treuherzig anschauen können, was anatomische Gründe hat: Sie können überhaupt nicht nach oben schauen. Deshalb entstehen keine Beziehungen, und die Menschen geben ihnen keine Namen wie Rexi oder Cesar. Ja, es ist erschreckend, wie konservativ die Hundenamensgebung nach wie vor ist. Die Kevins und Jessicas auf heimischen Spielplätzen werden nicht von entsprechenden Patricks und Dianas angefallen und zerfleischt, sondern von Hugos, Roccos und so weiter. Der älteste Hund der Welt ist übrigens letzte Woche gestorben und hieß Otto (das – für alle, die es letztens an dieser Stelle nicht ganz verstanden haben – ist die Mutter aller Palindrome). Hildegard, Chica oder Ferdinand heißen hauptsächlich Hunde von Halb-Hippies, die aus Spanien oder Griechenland stammen (die Hunde, nicht die Hippies). Und hier wird es interessant: Woodstock heißt hierzulande ein Polizeihund. Er hat letzte Woche einen zweifachen Mörder gefasst und dann treuherzig nach oben in die Kamera der Kleinen Zeitung geblickt. Sie sind den Schweinen einfach überlegen.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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