Doris Knecht.Selbstversuch

Es deuchte mir, Geschichte wehe mich an

Kolumnen | aus FALTER 04/10 vom 27.01.2010

Tatsächlich hat der Lange, glauben Sie es oder nicht, die Lesben von vis-à-vis, die nie Pornos schauen, kürzlich beim Sex beobachtet, während er zum Fenster hinausrauchte. Hat er mir erst nach Lektüre der letzten Kolumne erzählt. Dabei waren, wie immer, die Schlafzimmervorhänge zu, aber einer zufällig im richtigen Winkel offenstehenden Tür und daraus resultierenden Spiegelungen verdankte der Lange eine Sichtung, deren Einzelheiten ich dann nicht so genau wissen wollte. Das Leben imitiert wieder einmal die Kunst; nein, die Kolportage. Sonst habe ich diese Woche nichts zu erzählen, auf Wiedersehen.

Doch, ich habe die Bühnenhemden der Fehlfarben gesehen. Das hat mich merkwürdig berührt. Die Hemden hingen an der Wand eines Ateliers, und ich hätte sie gerne fotografiert, so wie sie da hingen, habe mich aber nicht getraut. Es deuchte mir, Geschichte wehe mich an, und zwar eine, die erst gemacht wird, wenn die Fehlfarben bald ihr neues Album „Glücksmaschinen“ live vorspielen. Ich habe es schon, Peter Hein hat es mir geschenkt.

Hein sitzt übrigens heuer in der Jury des Protestsongcontests, was, weil ich mir keinen denken könnte, der dort mit größerer Berechtigung säße, der substanzielle Grund ist, warum ich doch auch wieder dort sitze. Obwohl ich mir und jedem, der es hören wollte, ein knappes Jahr lang schwor, dass ich mir das gewiss nicht mehr antue, hunderttausendprozentig nicht. Weil, wozu? Damit der junge Mensch mir wieder seinen Mittelfinger präsentieren kann? Ich habe auch andere schöne Hobbys, danke schön; zum Beispiel backe ich einen ausgezeichneten Kärntner Reindling, und Faschingskostüme für die Kinder sind leider auch wieder zu nähen. Ich könnte dabei die kolossale neue Fehlfarben hören, die mir Peter Hein geschenkt hat, ja. Beziehungsweise ich würde, wie ich voreilig zugesagt habe, auf die Faschingsparty von der Fischer gehen, gemeinsam mit Anna im knappen Flugbegleiterinnen-Kostümchen, das verpasst die Welt jetzt leider auch, und ich werde stattdessen nach Mitternacht in der Verkleidung eines zart angeflaschelten Protestsongcontestjurymitglieds erscheinen, wenn alle anderen schon lustig sind und ich nur ausgebuht.

Ich habe mir den Anschiss von der Fischerin und der Anna schon abgeholt, wobei die Anna nur noch resigniert geseufzt hat, sie wurde jetzt schon wiederholt Opfer meiner nachlässigen Kalenderführungspolitik. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich vergesse, dass am 12. Februar und immer am 12. Februar Protestsongcontest im Rabenhof ist und ich natürlich trotz gegenteiligsten Geschwörs erneut da oben auf meinem Stühlchen sitzen und Punkte vergeben werde, selbstverständlich wie stets an die Falschen, jaja. Aber diesmal wird Peter Hein neben mir sitzen, dort in der Politdisko, und das Leben wird die Kunst angrinsen und die Kunst wird zurückgrinsen, und es wird gut sein, ja, es wird.


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