Musiktheater Kritik

Die Klippen des Unvertrauten

Steiermark | Herbert Schranz | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Zwei Ensembles und zwei neue Professoren der Kunstuniversität Graz erprobten sich im Grazer Mumuth an zwei Kurzopern des frühen 20. Jahrhunderts, „Die Nachtigall“ (1914) von Igor Strawinsky und „Gianni Schicchi“ (1918) von Giacomo Puccini. Die eine Oper erschien knapp vor dem Ersten Weltkrieg in Paris, die zweite knapp nach dem Krieg in New York.

Strawinskys Oper nach Hans Christian Andersen kann in vieler – nicht jeder – Hinsicht als das modernere Werk gelten und stellt die Beteiligten vor weitaus schwierigere Aufgaben, denen nur das KUG-Orchester unter der Leitung des neuen Professors Frank Cramer bestens gewachsen ist. Die Instrumentalisten scheinen heute mit der Musik Strawinskys ungleich mehr vertraut zu sein als die Sänger und selbst als die neue Regie-Professorin Barbara Beyer mit Strawinskys symbolhafter Opernästhetik. Das projizierte Meer zu Beginn wirkt auch wie das Abziehbild einer Illustration zu Claude Debussys „La mer“. Dieser Musik ähnelt Strawinskys Orchestereinleitung und mehr noch den „Nuages“ aus „Trois Nocturnes“. Zu beliebig eingebracht wirken die späteren abstrakten Projektionen zu Strawinskys Musik abseits der Debussy’schen Pfade. Halsbrecherisch schwer, auch ästhetisch, ist die Rolle der Nachtigall. Ihr ist Nelya Cravchenko weniger gewachsen als später der Lauretta in „Gianni Schicchi“.

Die hinreißende Komik von Puccinis Einakter, eigentlich ein neoklassizistisches Intermezzo, wurde vom gesamten Team stilsicher zum Überspringen gebracht, David Park sang einen pfiffigen Gianni Schicchi und war in dieser Rolle weitaus mehr beschäftigt denn als Kaiser von China in der „Nachtigall“. Auch der Ligeti-Saal des Mumuth erfüllte seine Rolle mit weiträumigem Klangbild ausgezeichnet.

Mumuth, György-Ligeti-Saal, Fr 19.00


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