Nachgetragen

Wien, Europa und die Welt. Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Politik | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Ist Wählerverdruss ein Qualitätssiegel der Demokratie?

Matthias G. Bernold

Waren die Menschen, die den Eisernen Vorhang herunterrissen, begeisterte Demokraten oder bloß begeisterte Konsumisten?“, fragte der rumänische Politikwissenschaftler Ivan Krastev am Dienstag vergangener Woche bei einem Vortrag am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM). Krastev, er forscht derzeit als Visiting Fellow am IWM, analysiert die paradoxe Situation, dass die Demokratie seit 1989 zwar weltweit einen unvergleichlichen Siegeszug angetreten habe, dass aber Politikverdrossenheit zunehme.

Den Grund dafür sieht Krastev darin, dass Demokratie und Marktwirtschaft in der Wahrnehmung der Menschen heute untrennbar verbunden seien. So wie der unzufriedene Konsument Beweis und Bedingung für das Funktionieren des Markts sei, sei der unzufriedene Wähler Beweis für das Funktionieren der Volksherrschaft: Demokratien, meint Krastev, sind keine „satisfaction machines“: „Sie geben den Bürgern aber


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