Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Stefan Apfl | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Wie deppert ist Österreichs Bundesheer, Frau Axmann?

Der Verdacht, das Heer sei ein Sammelbecken panzerrohrgesteuerter Deppen, ist so alt wie das Heer selbst. Bis vergangene Woche galt allerdings die Unschuldsvermutung; bis nämlich die hausinterne Marketingabteilung den Verdacht mit einem Spot bestätigte, der unter dem Stichwort „Schuss nach hinten“ den Eintrag in die PR-Fibeln schaffen dürfte.

Die Informationsreihe „Heer 4 You“ soll Jugendliche über Jobchancen an der Waffe informieren. In einem an die Zielgruppe Frauen gerichteten Spot sitzt ein Glatzkopf – im zivilen Leben Kremser Türsteher – breitbeinig auf der Motorhaube seines Audi, flankiert von vier aufgedonnerten Damen, Typ Nachtschichtbesucherinnen. Als er sie auf eine „Spritztour“ einlädt, bremst sich ein Panzer ein. Ein Soldat steigt ab – kurzer Schnitt, wie er mit der Hand über das Stahlrohr streicht: „Na, Mädels? Lust auf eine Spritztour?“ Die Damen glucksen, der Soldat: „Kommt zum Bundesheer, da könnt ihr Panzer fahren.“ Dann fährt er ab, die Mädchen laufen ihm jubelnd hinterher.

In einem SZ-Artikel vom vergangenen Donnerstag sagte der zuständige Oberst Johann Millonig, auf den Sexismusvorwurf angesprochen, noch: „Unser Clip ist so deppert, dass er schon wieder genial ist.“ Mittlerweile ist der Oberst nicht mehr erreichbar.

Nachdem zahlreiche Onlinemedien den Spot innerhalb von Stunden in der Luft zerrissen hatten, ließ ihn Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) einziehen und kündigte personelle Konsequenzen an.

„Der Spot ist danebengegangen, da braucht man sich nichts vorzumachen“, sagt die Heeressprecherin Ute Axmann. Als Vorlage diente ein Filmchen der ukrainischen Armee. Dort habe er dem Wissen Axmanns nach keine Aufregung ausgelöst: „Das ist die Krux bei solchen Sachen. Jedem gefällt etwas anderes.“


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