Technik

Dinge, die uns brauchen

Medien | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Jetzt hat das Computerzeitalter den Computer abgeschafft

Prüfbericht: Thomas Vašek

Er ist also da. Nein, man kann mit ihm nicht zum Mond fliegen. Er wird auch das Klimaproblem nicht lösen. Und verdammt, das Teil hat weder eine Kamera noch eine Telefonfunktion. Trotzdem werd ich mir Apples iPad kaufen. Weil es das schärfste Gerät in diesem Universum ist. Oder besser: weil es überhaupt kein Gerät mehr ist. Man hat keinen Computer mehr in der Hand, sondern reine, entkörperlichte Softwareintelligenz. Die globale Datenwolke sozusagen. Natürlich haben sich die Nerds unter uns ein wenig mehr erwartet. Ein bisschen schwarze Magie. Ein revolutionäres Benutzerinterface, Gedankensteuerung oder was Ähnliches. Sicher, der iPad sollte Flashanimationen auf Webseiten darstellen können. Und ja, Multitasking funktioniert ebenso wenig. Ein USB-Port wär auch schön gewesen. Aber der iPad ist eben nicht für die Nerds gemacht. Er ist einfach nur der Laptop von morgen, der eben kein Laptop mehr ist, sondern ein – ja, was denn eigentlich? Eine mobile Medienplattform. Ein Device, mit dem man den Weltgeist anzapfen kann. Auf die „Apps“, auf die Anwendungen, kommt es an. Sicher ist nur, es wird Myriaden davon geben. Das Computerzeitalter hat den Computer abgeschafft. Was bleibt, sind seine Anwendungen und wir, die Anwender. Manchmal muss man ein technisches Gerät kaufen, um einen historischen Augenblick nicht zu verpassen. Mir selbst wird es ein wenig peinlich sein, auf dem iPad in der U-Bahn Zeitung zu lesen. Aber ich möchte wenigstens der Erste sein.

Thomas Vašek ist Journalist und Buchautor in München


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