Enthusiasmuskolumne

Diesmal: Der beste Schauspieler der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Fies, übellaunig, bigott und brutal

Es gibt Menschen, die sind für einen da, auch wenn man sie sich nur schwer als Schutzengel ausmalen kann. Dass Schutzengel schon mal fluchen oder ihre Fäuste sprechen lassen, kann man sich ja noch vorstellen, nicht aber, dass sie Typen – wie böse auch immer – kurzerhand in den Rücken schießen; da würde der höchste Polizist von allen ganz gewiss ihre Dienstmarke einziehen.

Die zu behalten ist auch für einen toughen New Yorker Cop schwierig, der sich beim Versuch, einen miesen Heroindealer mit dem dekadenten Habitus eines französischen Landadeligen zu erwischen, die Lunge aus dem Leib laufen und den Arsch abfrieren muss: gefährlicher Job, bescheidenes Gehalt – kein Wunder, dass Jimmy Doyle ein schweres Alkoholproblem und eine Scheißlaune hat.

Schlecht für ihn, gut für uns. Überhaupt waren das gute Zeiten, 1971. Vier Jahre zuvor hatte unser Mann als leicht unterbelichteter Bruder eines flamboyanten Gangsters noch Banken ausgeraubt – und das nicht überlebt. Es war die Geburtsstunde dessen, was als „New Hollywood“ Geschichte machen sollte, und der Auftakt zur späten, aber steilen Karriere des großgewachsenen Kaliforniers.

Als barock bösartiger Rinderbaron mit fragwürdigem Appetit auf totes Tier und blutjunge Mädchen gab er 1972 einen der fulminantesten Fieslinge einer an Fieslingen nicht eben armen Karriere, zwei bzw. drei Jahre später schuf er als abgehörter Abhörspezialist und ramponierter Privatdetektiv zwei Ikonen einer Ära, die aus ihrem Pessimismus großes paranoides Kino zu machen wusste: „The Conversation“ und „Night Moves“.

Ein Hauch davon war auch noch in „Enemy of the State“ zu spüren, in dem er auf Will Smith aufpasste. Und obwohl er darin ein wirklich schlechter Vater war, wird uns „The Royal Tenenbaums“ als sein letzter großer Film stets in guter Erinnerung bleiben. Vor sechs Jahren hat er dem Kino ade gesagt, am 30. Jänner ist Gene Hackman 80 geworden. Er war immer für uns da. Einen Martini drauf!


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