Auf der Suche nach dem perfekten Klang: „Pianomania“ taucht ein in die Welt der Klaviere

Feuilleton | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Filmkritik: Carsten Fastner

Das Innenleben eines Konzertflügels besteht aus 12.000 Einzelteilen, die allesamt fein aufeinander abgestimmt werden müssen, damit das Instrument perfekt klingt. Eine komplexe Angelegenheit, die weit über das Stimmen der 230 Saiten hinausgeht. Darin ist Stefan Knüpfer einer der Besten.

Knüpfer ist der Cheftechniker von Steinway & Sons in Österreich und kümmert sich um die Klaviere auf den großen Musikbühnen des Landes. Das heißt, eigentlich kümmert er sich um die großen Pianisten, die auf diesen Instrumenten spielen. Er versucht, deren Klangvorstellungen zu verstehen und technisch umzusetzen.

Lilian Franck und Robert Cibis haben diesen engelsgeduldigen Mann mit den feinen Ohren ein Jahr lang bei der Arbeit beobachtet: wie er für Alfred Brendel ein besonders gutes Instrument in die Provinz schafft und es gegen die begehrlichen Blicke eines Kollegen verteidigt; wie er für Lang Lang einen sauberen Ausklang und einen robusten Hocker sucht; und wie er mit Pierre-Laurent Aimard über Monate hinweg eine CD-Aufnahme von Bachs „Kunst der Fuge“ vorbereitet.

Der Pianist wünscht sich vier verschiedene sonore Charaktere – auf einem einzigen Instrument. „Pianomania“ zeigt, wie Knüpfer recherchiert, Ideen ausprobiert und wieder verwirft, sich, so aufgekratzt wie konzentriert, der Idealvorstellung des Pianisten annähert. Dramatischer Höhepunkt dieses Prozesses: eine Fehllieferung verschliffener Hammerköpfe, die um 0,7 Millimeter zu schmal sind.

Technische Erklärungen haben die Regisseure – leider – aufs Allernötigste reduziert. Lieber zeigen sie großartige Bilder aus dem Innenleben der Instrumente. Immerhin: Der Film gewinnt dadurch jene Ruhe, in der sich die Ohren für die Feinheiten des perfekten Klangs öffnen können.

Ab 5.2. im Votiv.


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