Hilfe, die Pelzhaube ist zurück – als Pudelpelzhaube!

Stadtleben | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Was passt am besten zum protzigen Daunenmantel? Natürlich die Strickmütze mit der Fellquaste. Wie überaus fragwürdig

Stilkritik: Christopher Wurmdobler

Früher war der Wiener Winter grau. Maximal lodengrün, aber eher grau. Ältere Männer trugen unpassendes alpines Hutwerk aus Filz, ältere Frauen gingen mit beige-grauen Pelzhauben raus. Irgendwann verschwanden die toten Tiere von den Köpfen der Wienerinnen; noch wahrscheinlicher verschwanden die Frauen und mit ihnen die muffigen Kopfbedeckungen. Und jetzt ist das Pelzchen plötzlich wieder da! Allerdings ist die Pelzhaube in ihrer aktuellen Inkarnation ein bizarres Zwitterwesen: eine dick gestrickte Wollmütze in irgendeiner gedeckten Modefarbe (die passt dann gut zur glänzig-protzigen Daunenjacke), deren Spitze keine Bommelquaste schmückt – sondern ein Fetzlein Echtpelz, in der Regel vom günstigen Fuchs. Wer Wert darauf legt, bekommt offenbar auch Nerzbommel.

Was Warmes über die Ohren, was Kostbares als Krönung zum Angeben? So könnten die Beweggründe für den Erwerb dieser abstrusen Kopfbedeckung lauten, schön ist das trotzdem nicht. Die Pudelpelzhaube ist vor allem in nobleren Gebieten zu beobachten. Ihre Trägerin ist zumeist jünger; vielleicht reicht’s entweder monetär noch nicht für einen kompletten Pelzmantel, oder sie outet sich gar als Fast-Tierschützerin: Ach, das ist eh nur ein ganz klitzekleiner Echtpelz. Der Fuchs, der Nerz, die war’n doch eh schon tot.

Wie auch immer. Zwischen Stephansplatz und Kohlmarkt sieht man nun, etwas erhöht über den simpel bemützten Häuptern der Passanten, kleine Pelzchen wackeln. Ohne Sinn und Zweck. Hoffentlich ist das nicht der Beginn der Rückkehr der Vollpelzhaube à la graues Wien der Vorzeit.


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