Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 05/10 vom 03.02.2010

Der kleine Unterschied

Es müsse ein Unterschied gemacht werden, findet Sissi Potzinger, die mit VP-Bürgermeister Siegfried Nagl vor Weihnachten ausführliche Gespräche zum Thema Verpartnerung geführt haben will. Die Familiensprecherin der Grazer VP gehört zum konservativen Flügel und trat im Gemeinderat auch schon mal mit Plastikembryo auf, um gegen Abtreibungen zu protestieren. Der Bürgermeister hat zunächst die Verpartnerung homosexueller Paare räumlich fein säuberlich von den Hetero-Trauungen getrennt, der Trauungssaal im Rathaus war ohnehin tabu. Das sei breiter Konsens im VP-Klub, so Potzinger. Nach Protesten und wochenlangen Verhandlungen mit den Grünen hat sich der Bürgermeister nun dazu durchgerungen, auch das Schloss Eggenberg oder die Orangerie im Burggarten als Ort für Homo-Ehen zuzulassen. Der Trauungssaal bleibe Eheschließungen vorbehalten. Die grüne Vizebürgermeisterin, selbst bekennende Lesbe, hat sich auf den Handel eingelassen, unterdessen scheint das Thema unter manchen ÖVPlern zum Running Gag zu verkommen (siehe Seite 42).

Seit Jänner können Lesben und Schwule Eingetragene Partnerschaften eingehen, damit haben sie viel erreicht. Aber eine Ehe ist für die konservative Reichshälfte halt doch noch etwas anderes. Deshalb dürfen Homo-Paare zwischen ihre Namen etwa keinen Bindestrich setzen und deshalb dürfen sie in Graz, im Gegensatz zu anderen Städten, nicht in den Trauungssaal. Diese Regelungen sind kleinkariert und verfolgen einzig das Ziel, Homo-Paaren zu zeigen: Ihr seid anders. Unterschiede müssen eben sein, doch wer unterscheidet, wann der kleine Unterschied aufhört und Diskriminierung anfängt?

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter


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