Kritik

Wer fürchtet sich vorm dritten Mann?

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Auf der Flucht vor dem Mob retten sich Holly Martins (Joseph Cotten) und Anna Schmidt (Alida Valli) in ein Kino. Diese kurze Szene aus dem berühmten Wien-Film „Der dritte Mann“ (1949) war der Ausgangspunkt für das Stück „Harry Lime lebt! Und das in diesem Licht!“, das der junge deutsche Dramatiker Jörg Albrecht (geb. 1981) im Auftrag des Schauspielhauses geschrieben hat. Gedreht wurde die Szene nämlich da, wo heute das Theater untergebracht ist: im ehemaligen Heimat-Kino in der Porzellangasse. Albrecht lässt drei Figuren die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des Filmklassikers reflektieren. Sie spielen Dritter-Mann-Memory, besuchen das Dritter-Mann-Museum und unternehmen natürlich auch eine Expedition in den Keller des Theaters. Motto: „Was wir brauchen, ist kein Remake des Films, sondern ein Remake der Stadt aus diesem Film!“ Der Text ist intelligent und nicht unwitzig, aber wenig dramatisch. Regisseur Jan-Christoph Gockel begegnet diesem Manko nicht ungeschickt durch gezielten Einsatz von Musik und Film; auch ein vierter Darsteller, der als eine Art Museumswärter durch das Stück führt, lockert den Abend auf. Trotzdem sind einem 80 Minuten schon kürzer vorgekommen.

Schauspielhaus, Sa, So 20.00


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