Kritik

Aus den Überresten der Vergangenheit schöpfen

Lexikon | Manisha Jothady | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Der Teufelsberg ist Berlins höchster Trümmerberg. An seiner Stelle befand sich zur Nazizeit der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, der nach 1945 gesprengt wurde und das Areal in eine Schuttdeponie verwandelte. Heute gilt er als beliebtes Ausflugsziel, wenngleich sich dort noch die Ruinen jener Radaranlagen befinden, die den Amerikanern während des Kalten Krieges zur Überwachung des Luftraums dienten.

Hier betreibt Marius Engh seine ganz eigene Form der Spurensuche. Aus den baulichen Bruchstücken der Vergangenheit destilliert der aus Oslo stammende Künstler visuelle Qualitäten, die dann in Installationen, Skulpturen und Fotografien ihren Niederschlag finden. Aus einem Schutzgitter wird bei ihm eine betörend schöne Plexiglaskonstruktion. Lose herumliegenden Betonplatten ringt er die Ästhetik von Bodenskulpturen ab. Seine Werke zitieren oft den Minimalismus, indem sie aus dem Formenpool geometrischer Grundstrukturen schöpfen. Im Gegensatz zu den Künstlern der Minimal Art greift Engh jedoch stets auf Vorhandenes zurück.

Man könnte Marius Engh vorwerfen, dass er durch seine Transformationsarbeit die Geschichte des von ihm unter die Lupe genommenen Ortes nivelliert. Dass dem nicht so ist, verdeutlicht eine Reihe von Fotografien. Ausblicke in die Landschaft sind darauf zu sehen, ebenso eingeschlagene Fensterscheiben und verwitterte Hausmauern. Auf eine von ihnen hat ein Soldat die aggressive Parole „Lead, Follow Or Get The Hell Out of Here“ gekritzelt. In der Galerie wird daraus eine Schriftinstallation. Derart vergegenwärtigt der Künstler die Vergangenheit, die er auch im Ausstellungstitel „An Aggregation of Adversary“ zu konservieren versteht.

Galerie Layr Wuestenhagen, bis 13.3.


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