Theater Kritiken

Das Mezzanin Theater geht baden

Steiermark | Hermann Götz | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Mit ihrem Kinderstück ist die zweiköpfige steirische Tanzhoffnung Elisabeth Cartellieri/Christine Scherzer beinahe in der Clownerie gelandet. Das unter der Regie von Hanni Westphal fürs Mezzanin Theater einstudierte „Schwapp“ präsentiert sich bei seiner Uraufführung im Rahmen des Spleen-Festivals als flotte Slapstick-Choreografie rund um die Badewanne, in der Anna (Cartellieri) Spaß haben will und ihre Mutter (Scherzer) Sauberkeit. Das Mädchen scheint eher auf der unverfrorenen Seite zuhause zu sein, die Mama hingegen ist der seltene Fall einer sympathischen Pedantin. Beide erweisen sie sich als äußerst verhaltenskreativ, und die Wanne steckt voll magischer Überraschungen. Dort hat nämlich weit mehr Platz als 15 gelbe Badeenten und ein überlebensgroßes Aufblaskänguru (Ausstattung: Corinna Schuster). Anna taucht in weiten Meerestiefen, kommt unverhofft zu vier tanzwütigen Beinen und glänzt mit erstaunlichen Ballett- bzw. Trockenschwimmereinlagen. Mit schlichten, schön gearbeiteten Tricks und klassisch gestrickten Pointen setzen Cartellieri/Scherzer und Westphal weniger auf Virtuosität denn auf etwas, das am besten als hingebungsvolle Unterhaltung zu bezeichnen wäre. Genau in dieser Gegend swingt bzw. groovt auch die Musik (Bernd Heinrauch). Dabei dreht sich die Produktion unbeschwert um ihr Zentrum: den Zauber, den das nasse Element – aufgeschäumt mit zwei Flaschen wahrer Liebe – im Kinderherz entfacht. Ein sympathisches Stück Badetanzkultur für kleine Anarchisten und solche, die es hätten werden wollen.

Orpheum Graz, nächste Vorstellungen am 26.2., 10.00 und 16.00


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