Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Anna Sawerthal | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

„Wie gelangen Elefanten in unser aller Köpfe, Herr Bleil?“

Ein Wunder ist etwas Unerklärbares, Erstaunliches. Es widerspricht den Naturgesetzen. Geht es nach den Gewinnern des Radio-Kreativwettbewerbs „radio aktiv“ Simon Bleil und Robert Schrotthofer, erfüllt das Medium Radio all diese Eigenschaften. Denn im Radio schaffen es riesige Dinge, durch die Ohren in den Kopf zu gelangen. Zum Beispiel ein Elefant.

Stellen wir uns einen Physikprofessor mit zerzaustem Haar vor, der erklärt: „Beschleunigt ein afrikanischer Elefant auf Schallgeschwindigkeit, wird seine Haut aalglatt und glitschig. Sein Rüssel ist dabei stark nach vorne gestreckt, wie die Spitze eines Düsenjets. Und seine Beine verändern sich zu stromlinienförmigen Tragflächen. So schafft er es, durch Ihre Ohren in Ihren Kopf zu gelangen.“ Feierlicher Nachsatz: „Das ist das Werbewunder Radio.“ Natürlich ist das Nonsens. Genauso gibt es keine Dampfmaschine, die sich selber dampfgart oder keinen Frosch, der sich so lange aufbläht, bis er zerplatzt, um in „Ihren Kopf zu gelangen“. All das wird in den sieben Spots der Kampagne erklärt. „Wir wollten etwas Lustiges machen. Im Radio kann man Hörbilder zeichnen. Da kann man viel behaupten.“ Es ist das Medium der grenzenlosen Fantasie, das nur mit Ton und Worten emotionalisieren soll. „Das Radio ist oft missverstanden“, sagt Clemens Marx vom Tonkombinat Marx, der vor vier Jahren den Wettbewerb gemeinsam mit ORF, RMS und CCA ins Leben gerufen hat. Marketing- oder Gelddruck: Oft bleibt im Werbealltag kein Platz für Kreativität.

Ursprünglich hatte ein Mitarbeiter des Naturhistorischen Museums die physikalischen Erklärungen eingesprochen. Doch man wollte die Stimme noch überzeichneter, sodass uns nun der Kabarettist Karl Ferdinand Kratzl ein Jahr lang das Werbewunder Radio erklärt.


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