Enthusiasmuskolumne

Diesmal: die beste Doom-Band der Welt der Woche

Feuilleton | Tex Rubinowitz | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Niemand lacht mehr über Wino

Es gab eine Zeit, da war das Meidlinger U4 keine zugige, verwaiste Tiefgarage, sondern Ort eines aufregenden, undogmatischen Musikprogramms, des besten der Stadt. Abseits des mediokren Hampelmanns Falco, der hier auch immer noch herumstand wie bestellt und nicht abgeholt, fand meist mittwochs und hauptsächlich unter der Patronanz des zu früh verstorbenen Werner Geier das statt, was wirklich Relevanz besaß.

Die zähen Sitzpsychedeliker Spacemen 3 spielten im U4, die Schweizer Elektriker Young Gods, die schwedischen Eklektiker von Leather Nun (mit einer Hells-Angels-Subdivision als Saalordner). Selbst Prince gab hier ein Geheimkonzert, und die große Nico trat gleich zweimal hintereinander auf, gestützt von ihrem und Alain Delons Sohn Ari. Kurz darauf kippte sie in Ibiza vom Fahrrad und starb.

Das hypnotischste Konzert aber war zweifellos, wie jeder der anwesenden zwölf Gäste bestätigen wird, jenes von Saint Vitus, den Fürsten des Doom, einer quälend langsamen Hardrockversion. Ausgerechnet unter den Fittichen des amerikanischen Prä-Grunge-Hippiepunklabels SST verwalteten vier sinistre, schmerbäuchige Galgenvögel den Nachlass von Black Sabbath und bauten ihn auf der Bühne in skelettierter Form nach, unmoderner ging’s wirklich nicht mehr.

Sänger Scott „Wino“ Weinrich beklagt sich in „Born Too Late“ darüber, dass die Leute auf der Straße über ihn lachen, weil er lange Haare hat; er sei einfach zu spät geboren, um wie sein Idol Ozzy Osbourne das offene Haar mit Stolz und Würde zu tragen.

Saint Vitus lösten sich bald auf, und Wino machte eine brave, ernsthaftere Karriere mit allerlei Projekten; das U4 brannte kurz nach dem besagten Auftritt ab. Am 15.2. aber kommt es in der Arena zu einem Wiedersehen mit Saint Vitus. Inzwischen lacht keiner mehr über Winos lange Haare. Jetzt sind es die anderen, die zu spät geboren wurden und die reine Lehre der Düsternis empfangen werden.


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