Stadtrand

Urbanismuskolumne

Stadtleben | Christopher Wurmdobler | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Sagen Sie etwas, egal, was, aber sagen Sie was!

Schreibe einen Kommentar“, sagt Facebook seinen Usern, eine Aufforderung, der man gerne folgt. Schon lange vor Erfindung der Onlineplattform war der öffentliche Kommentar in Wien gang und gäbe: Sag einfach was dazu! Egal, was, Hauptsache es bleibt nicht unkommentiert im Stadtraum stehen. Sie wissen nicht, wie urban commenting geht? Hier ein paar Beispiele aus der Lebenswelt des Autors: Wenn es ihn mit dem Rad aufhaut, steht mit Sicherheit jemand am Straßenrand, der zwar keine Hilfe anbietet, dafür aber seinen Senf dazugibt. Etwas wie „Na servas“. Oder „Selbst schuld“. Stehen zwei küssend am Gehsteig, schallt es mindestens einmal aus offenen Autofenstern: „Habts es ka Wohnung?“ Am Kebabstand begutachten die Anwesenden dein Essen („schaut gut aus“). Und neuerdings kommentiert man seine Handlungen auch gleich selbst. Eben erst passiert: Im Bim-Wartehäuschen überkommt den Herrn auf der Bank nebenan plötzlich schwallartiges Erbrechen. Er: „Hihi, Sturmwarnung.“ Was soll man da noch sagen?


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