Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Sag’s durch die Blume

Es wird alles gut: Am Montag stattete Bernadette I., die in der Vorwoche zur steirischen Blumenkönigin gekrönt worden war, dem stellvertretenden Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) und im Anschluss auch Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) in der Grazer Burg einen Antrittsbesuch ab. Schützenhöfer überreichte sie „blumige Grüße“, dem Landeshauptmann hingegen „königlich duftende Grüße“.

Dieser Traditionsbesuch der Blumenkönigin verweist natürlich auf den kommenden Valentinstag. In ähnlicher Weise, wie das Knospen des Krokus auf den Frühlingsbeginn verweist, der freilich noch nicht in Sicht ist. Anders als der voll angelaufene Wahlkampf im Lande, auf den wiederum ganz andere Gewächse hindeuten. Ja, und es sind eher Blumen des Bösen, die da sprießen: Schützenhöfer will Minarette verbieten, Voves will die Bettler aus der Grazer Innenstadt vertreiben, die steirische ÖVP sie gleich hinter die Landesgrenzen werfen. Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) lässt Homo-Paare nicht in den Trauungssaal im Rathaus. Und die in Graz für Gewerbeangelegenheiten zuständige FPÖ findet es gut, dass nach Jahren der Tolerierung türkische Greißler just seit Jahresbeginn sonntags ihre Geschäfte schließen müssen.

Das sind, ganz unverblümt, die Botschaften, die steirische Politiker derzeit aussenden: Misstraue dem Muselmanen! Gib dem Bettler nichts in den Hut! Sperr die Schwulen aus! Kauf nicht beim Türken! Gegenaufklärung! Dabei hat Bernadette I. sicher anderes gemeint, als sie am Montag mahnte: „Ich möchte alle Menschen daran erinnern, die Botschaft der Blumen nicht zu vergessen.“

Thomas Wolkinger leitet die Redaktion des steirischen Falter


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