Zu viel des Guten: Alzheimer, Zirkus, Alltagsfaschismus

Steiermark | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Die Grazer Autorin Christine Teichmann versucht in ihrem Roman „Raubtiere“ eine überaus gewagte Themenmelange

Buchkritik: Wolfgang Pollanz

Schon der Titel weist ein wenig in diese Richtung: Ein Roman über die Welt des Zirkus soll das sein, „faszinierende Einblicke“ verspricht der Klappentext. Die Geschichte ist schnell erzählt. Eine junge Volksschullehrerin eilt einem Bekannten ihrer Mutter zu Hilfe, einem gealterten Dompteur, und seiner Tigerin, die trächtig ist; das Halten von Raubtieren ist allerdings illegal, sodass das Buch auch noch eine kleine kriminalistische Spannungsnote bekommt. Die wahren Verstrickungen sind in diesem Roman jedoch von familiärer Natur, man erfährt vom Tod des Vaters und wer daran Schuld trägt, der Zirkusmann JirÇi entpuppt sich als einstiger Liebhaber der Mutter. Diese ist inzwischen an Alzheimer erkrankt, erkennt die eigene Tochter nicht mehr.

Dieses Thema ist der zweite inhaltliche Strang, auf dem der Plot dieses Buches aufgebaut ist, und fast wünscht man sich, es wäre bei diesen beiden geblieben, das hätte eine schöne Lebensaufarbeitung werden können, eine Suche nach den Wurzeln der Protagonistin. Doch die Grazerin Christine Teichmann versucht zu viel in ihr Buch zu packen. Zirkus, Alzheimer, dann auch noch das Roma-Thema, die Vertreibung der Sudetendeutschen, den Alltagsfaschismus von Provinzpolitikern, die Problematik schwieriger Familienverhältnisse, ganz nebenbei wird auch noch das Thema Neue Mittelschule abgehandelt und die Geschichte der tschechischen „Samtenen Revolution“ erzählt. Zu viel des Guten, auch wenn sich der Roman durchaus als leichte Urlaubslektüre lesen lässt.

Christine Teichmann: Raubtiere, Braumüller Literaturverlag, 216 S., € 19,90


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