Hundert Jahre Zeitausgleich

Befindlichkeitskolumne

Steiermark | aus FALTER 06/10 vom 10.02.2010

Ein Sonntag in Graz. Mit Untertitel

„Der Sonntag ist eine Kraft zum Miteinander gegen den Zerfall in ein Nebeneinander in Beliebigkeit“ Capellari

Der Sonntag hat am Griesplatz (in einem Lokal) mit einer gepflegten Massenschlägerei angefangen. Wobei Masse hier schon relativ ist: Zehn stark betrunkene Personen sind wohl eher eine Kleingruppe, wie man sie aus Bud-Spencer-Filmen kennt, aber immerhin scheint es, wenn man dem engagierten Bericht der Kleinen Zeitung folgt, sehr anarchisch im Sinne von jeder gegen jeden zugegangen zu sein. Wenig wissen wir über das auslösende Moment dieses Vorfalls, der immerhin zu einer Schnittwunde in einem Unterarm geführt hat. Aber die unmittelbar darauf folgende Meldung lässt erahnen, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist: Am Abend desselben Tages wurden in Kalsdorf 25 fabriksneue Motorsägen aus einem Lagerhaus entwendet. Der Kenner, der nicht an Zufall glaubt, erkennt sofort: Das riecht eindeutig und ziemlich streng nach Vergeltung, nach Planung eines zünftigen Showdowns bei Vollmond, nach Blutdurst, der nicht gestillt ist, bis die Sägen ihr Werk vollendet haben und keiner mehr übrig ist. Doch halt: Haben nicht und gerade wir Medien auch die Verantwortung, diese Gewaltspirale aufzuhalten, deeskalierend zu wirken, den leisen Stimmen der Vernunft und Mäßigung Gehör zu verschaffen? Doch, haben wir, deswegen fügen wir noch schnell einen Untertitel ein.

Dramatiker Johannes Schrettle ist zwar kaum in Graz, dennoch weiß er immer was von dort zu berichten


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