Kritik

Ein Film als Stück, Córdoba als Metapher

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Filme sind heutzutage beliebter Bühnenstoff. Der Film, der derzeit im Rabenhof gespielt wird, wurde allerdings nie gedreht: Florian Scheubas und Rupert Hennings Drehbuch „Cordoba – Das Rückspiel“ wurde von der zuständigen Kommission abgelehnt (witzigerweise mit 3:2 Stimmen). Stattdessen spielt der frühere Burgschauspieler Cornelius Obonya den Film jetzt im Alleingang nach. Das berühmte Córdoba-Match von 1978 ist hier eine Metapher für das gestörte Verhältnis der Österreicher zu den Deutschen; im Zentrum der Handlung steht eine ostdeutsche Familie, die kurz vor dem Mauerfall nach Österreich geflüchtet ist. Schwachpunkt des Abends ist seine Länge: Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, dieses „Rückspiel“ eine Stunde länger – und das merkt man auch. Trotzdem ist die Aufführung oft sehr witzig („I am from Austria“ auf Sächsisch!), und Obonyas Performance ist so fantastisch dass man der Kommission Recht geben muss. Erstens würde es diesen Abend sonst nicht geben. Und zweitens wäre der Film wahrscheinlich eh nur halb so lustig gewesen.

Rabenhof, Fr, Sa, Do 20.00


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