Kritik

Wie ein einsamer Cowboy durch die Salzwüste

Lexikon | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Die Auseinandersetzung mit den institutionellen und architektonischen Rahmenbedingungen des Ausstellungsraums bildet den Dreh- und Angelpunkt der Arbeiten von Adrien Tirtiaux. Dass der 1980 in Brüssel geborene und in Wien lebende Künstler dabei alles andere als trockene institutionskritische Kunst produziert, bewies er schon 2006 mit einer performativen Intervention im niederländischen Groningen. Acht Schlafkabinen installierte er in einer dort ansässigen Galerie. Nach zwei Wochen funktionierte er eine davon in eine Art Hausboot um, in dem er sich dann sechs Tage lang die Kanallandschaft entlang treiben ließ.

Wie ambivalent seine Beziehung zum White Cube ist, wie sehr er daran interessiert ist, architektonisch Vorgegebenes immer wieder zu umgehen, zeigt Tirtiaux nun auch in seiner Wiener Präsentation. Als begehbaren Comic hat er diese konzipiert und bezieht den Betrachter derart als Akteur in das Bildgeschehen mit ein. Vor einer mächtigen, in den Raum ragenden Stellwand stehend, blicken wir in eine Salzwüste, an deren Rand Lucky Luke in Rückenansicht als Identifikationsfigur für den Betrachter auftaucht. Seinen ständigen Begleiter, die Zigarette, hat der einsame Cowboy auf einem Podest abgelegt. Die gleißende Wüstensonne breitet sich über den gelb bemalten Plafond aus. Wie jede Erzählung ist natürlich auch diese von Leerstellen geprägt, die es in gedanklicher Eigenleistung auszufüllen gilt.

Dem Bedürfnis nach simpler Schau- und Leselust kommt Tirtiaux dennoch entgegen. In Comiczeichnungen lässt er seinem ironischen Sinnieren über die Kunstwelt freien Lauf. Für jene, die auch noch zuhause darüber schmunzeln möchten, gibt es Kopien zur freien Entnahme. MJ

Galerie Martin Janda, bis 13.3.


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