Neu im Kino

Jenseits: Peter Jacksons „In meinem Himmel“

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Als Erstes ist in Peter Jacksons „In meinem Himmel“ eine Schneekugel zu sehen, auch später stehen auffallend häufig Miniaturen im Mittelpunkt: Die 14-jährige Susie (toll: Saoirse Ronan) bastelt mit ihrem Vater (Mark Wahlberg) Modellschiffe, während auf der anderen Straßenseite ein biederer Triebmörder (Stanley Tucci) an einem Puppenhaus werkelt.

Auch für Jackson stellt die Verfilmung von Alice Sebolds „The Lovely Bones“ eine beträchtliche Maßstabsreduktion dar: Anstatt Ork-Armeen und Riesenaffen durch Eventfilme zu lotsen, adaptiert er hier einen spirituellen Bestseller über eine Teenagerin, die nach ihrer Ermordung anno 1973 ihre Familie und ihren Mörder vom Jenseits aus beobachtet.

Dass Jackson und seine Frau und Co-Autorin Fran Walsh sich auf die erforderliche Fusion von Fantastik und Beziehungsrealismus verstünden, ist seit ihrer True-Crime-Phantasmagorie „Heavenly Creatures“ (1994) bekannt. Stattdessen haben die beiden sich hier darauf verlegt, ebenfalls Miniaturen zu basteln: abgekapselte Sequenzen, ein paar davon super, viele entbehrlich, und kaum eine passt im Tonfall recht mit den anderen zusammen.

Nach einer zügigen und witzigen Exposition in der ersten halben Stunde vertschüsst sich der Film mit Susie in einen kitschig computeranimierten Vorhimmel und blickt von dort nur mehr kursorisch und desinteressiert auf das Leid der Hinterbliebenen (als Mutter: Rachel Weisz). Es folgen: ein abstruses Zwischenspiel mit Susan Sarandon als resoluter Oma und ein bisschen schön ausgereizter Suspense. Dabei hätte Susies Vater doch zu Beginn sogar erklärt, was wirklich gute Modellbauer ausmacht: die Ausdauer, der lange Atem.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village)


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