Neu im Kino

Kampfhund braucht Haar- und Bildschnitt: „Wolfman“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Von allen alten Gruselfiguren Hollywoods ist der Werwolf der lächerlichste Anblick: Ein Vampir ist angeblich sexy, Frankensteins Monster tragisch, die Mumie schaurig; Katzenmenschen sind unsichtbar und Zombies mittlerweile überall zu sehen – aber der „Wolfman“? Seit Lon Chaneys kanonischer Darstellung ist er als Wauzibär mit Friseurkunstfehler und Hochwasserhose in Erinnerung. Diesbezüglich ist Joe „Jumanji“ Johnstons Version der Fluchstory vorlagentreu und bleibt eine Stunde lang auch eng an Curt Siodmaks Skript von 1941: unsympathische Leute in altenglischem Nebel, etwas „Zigeuner“-Mystik, viel Vater-Sohn-Konflikt, den Benicio Del Toro und Anthony Hopkins mit großem Ernst abwickeln. (Letzterer lässt dabei zum circa 16. Mal seine Dr.-Lecter-Lebensrolle nachklingen.)

In der zweiten Halbzeit forciert Drehbuch-Co-Autor Andrew Kevin Walker, seit „Se7en“ in Düstermoral geübt, Gegenwartsrelevanz samt Folter per Waterboarding und Sünden der Väter in überbordenden Rückblenden. Und während die ostentativ teuren Spezialeffekte trotz großer Lautstärke kaum unangenehm auffallen, machen Schnitt und Rhythmik hier einen eher entglittenen Eindruck. Dieser originalgetreue Wolf ist ein genuiner Turkey.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Village Cinemas)


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