Theater Kritik

„Imperium“: der Verfall als Naturschauspiel

Steiermark | Teresa Falk | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Der als Autorenfilmer bekannte Götz Spielmann legt mit einer Inszenierung seines Stücks „Imperium“ am Grazer Schauspielhaus seine zweite Regiearbeit für das Theater vor. Ein anfangs noch machttriefender Bordellbetreiber – die Dynamik des Verfalls als Naturschauspiel: Peter Simonischek – muss nicht nur angesichts der Krise seines Imperiums die Grenzen seiner selbst erkennen, er erfährt auch, dass er todkrank ist. Die Frauen seines Lebens, Tochter, Geliebte, Frau und die einst um des Aufstiegs willen verlassene große Liebe, die Selbstmord begangen hat, umgeben ihn, dem mit dem Selbstvertrauen auch der Realitätssinn zusehends abhandenkommt, und behalten bei Spielmann das letzte Wort.

Die tote Xenia (sanftmütig und subtil bedrohlich: Verena Lercher) begegnet ihm als Arzthelferin wieder und scheint ihn von da an heimzusuchen. Tochter Palucca (Andrea Wenzl) eifert so charmant wie dominant ihrem Vater nach. Die Ehefrau (Claudia Martini) mag sich dagegen mit den üblen Belangen des Geldes und seiner Herkunft nicht abgeben. Hinzu kommt noch die heimliche Beziehung zwischen der Tochter und dem Assistenten des Familienoberhaupts Wessely, eine rührende Liebesgeschichte von der Spielmann ganz eigenen Sinnlichkeit. Gustav Koenigs gibt den etwas treudummen Assistenten und Liebhaber und auch den Arzt, der nur im Plural des Mediziners vom nahenden Tod Wesselys spricht. Dabei überzeugt seine Wandlungsfähigkeit, auch dann noch, wenn er seinem Chef verzweifelt komisch den Hund macht. Die Figur der ebenso ergebenen Geliebten spielt entsprechend volkstümlich Steffi Krautz.

Die Verbindung aus Regie und dem stellenweise sehr poetischen Text entfaltet sich im keineswegs kühlen Minimalismus, auch dieser mit beinahe klassischen Anklängen, der Bühne Martin Warths. Die minutiöse und feinsinnige Schauspielerführung verhilft dem Ensemble zu einem harmonischen und dichten Spiel.

Schauspielhaus Graz, Di 19.30


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