Ausstellung Tipp

Eine Ausstellung über die homosexuelle Steiermark

Steiermark | Donja Noormofidi | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Alle Lesben haben kurze Haare“, steht in einer Schublade, „Homosexualität ist ansteckend“, in einer anderen – Besucher der Ausstellung „l[i]eben. uferlos und andersrum“ werden gleich zu Beginn mit den gängigsten Klischees konfrontiert. Das Ausstellungsteam des Büros der Erinnerungen vom Universalmuseum Joanneum hat die Klischees passenderweise in eine Schubladenwand gesteckt, der Besucher kann die Laden selbst öffnen. Aus einer quillt etwa rosa Plüsch, aus der nächsten tönt „YMCA“ von den Village People.

An einer raumgewordenen Zeitleiste kann man dann die Entwicklung der homosexuellen Geschichte in der Steiermark verfolgen, vom Bund der warmen Brüder, der sich bereits 1906 in Graz traf, bis zur Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, die offen zu ihrer Homosexualität steht. Daneben finden sich Gerichtsakten und die Niederschrift von Aussagen Homosexueller bei der Polizei, etwa der Fall eines Müllers, der 1948 wegen „Unzucht“ zu einem Jahr Kerker in der Karlau verurteilt wurde. Vor dem Reißwolf gerettete Gerichtsakten, andere historische Dokumente und anonymisierte Einzelschicksale bieten erstmals einen Gesamtüberblick über die homosexuelle Geschichte in der Steiermark. Interviews, die in den vergangenen Jahren mit homosexuellen Steirern geführt wurden, runden die Ausstellung ab.

Bei der Eröffnung hieß es: „Wir wollten keine arme, misshandelte Minderheit zeigen, sondern homosexuelles Leben in der Steiermark sichtbar machen.“ Diese Übung ist dem Ausstellungsteam gelungen. Auch in die Dauerausstellung wird eingegriffen, mit sechs Interventionen wird auf Rollen- und Geschlechterklischees aufmerksam gemacht.

Volkskundemuseum, bis 26.10.


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