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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Ich glaube, worauf die Welt schon seit längerer Zeit wartet, ist eine Phänomenologie des Betretens. Die Art, in der Menschen in einen Raum kommen, ist von faszinierender Variabilität. Ich habe mal einen Mann, der seinerzeit Zeitungsherausgeber war, das seinerzeit noch existierende Café Salzgries betreten sehen: Das Café war danach so betreten, dass es sich nie mehr davon erholt hat. Auch mein Zimmer, in dem ich mit dem Rücken zur Türe sitze, wird von den Kolleginnen und Kollegen auf so verschiedene Weise betreten, dass ich sie identifizieren kann, ohne mich umzuwenden. Dabei machen es mir nicht alle so leicht wie der Fastner, der sich mit charakteristischem Fingerknöchelgetrommel ankündigt, oder der Klenk, der gerne Maschinengewehrsalven imitiert bzw. in rhythmisch skandierte Schmähgesänge ausbricht, wie man sie von den Fußballplätzen der Mur-Mürz-Furche kennt.

Interessant auch, dass klassische Überschreitungsrituale wie der Gruß aus der Mode gekommen scheinen. Im Falle vom Bernold liegt das wohl daran, dass der gar nichts überschreitet, sondern auf einmal im Raum steht und ansatzlos zu reden beginnt, so, als würden wir diese eher einseitig verlaufende Konversation über Weltergewichtsboxen schon seit Stunden führen. Schnürt jemand so leise herein, dass ich in Erwartung eines Nackenkusses reflexartig meine Schultern hochziehe, ist es immer der Thurnher, wohingegen der Kralicek stets raucht, wenn er persönlich vorbeischaut. Und die Brodnig sieht mich immer so an, als würde sie gleich „tschuidgn, Schef“ sagen. Ich stecke ihr dann schnell ein, zwei Euro zu.


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