Vor 20 Jahren im Falter

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Dichterbericht

Man könnte wie stets allerhand zitieren. Zum Beispiel eine Verteidigung der Moderne durch den Ökonomen Georg Vobruba, der zu bedenken gab, Globalisierung schaffe „Voraussetzungen für internationale Solidarität, die sich auf rationale Interessenkalküle gründen lässt: Verbesserungen der Lebensbedingungen weit entfernter anderer im eigenen Interesse; die radikale Verbesserung der Terms of Trade gegen das Nicht-Abholzen der tropischen Regenwälder, ‚Brüderlichkeit – auch im eigenen Interesse‘ weit über Europa hinaus“.

Oder einen Aufruf Kurt Bayers, das Desaster der ÖIAG durch staatliche Kontrolle des wildgewordenen Managements dort in den Griff zu bekommen (wie bekannt einen das anmutet!). Oder einen Lokalaugenschein von Gregor Mayer in Temesvar und Klausenburg oder ein Porträt des großen Architekten Helmut Richter von Christian Zillner, an dem so gut wie alles richtig war außer der dahingeraunten Drohung, Richter werde Wien demnächst verlassen.

Stattdessen hier ein kurzer Auszug aus einem Bericht des Dichters und Schriftstellers Christian Loidl (1957–2001), der im Falter von einem Aufenthalt an der Jack Kerouac School of Disembodied Poetics in Boulder/Colorado berichtete, illustriert mit Fotos seines Kollegen Allen Ginsberg:

Besonders beeindruckt hat Loidl ein Treffen mit dem Filmemacher Harry Smith, einem Mann, dem, wie Loidl berichtet, einmal ein Mäzen 100.000 Dollar schenkte, worauf dieser das Kuvert sofort einem Unbekannten weitergab. Statt ihm ein Interview zu geben, räumte Smith Loidl „ab jetzt das Privileg ein, mich bei jeder Gelegenheit zu beleidigen. ‚Er ist der größte Idiot im Universum‘, sagt er vor der ganzen Klasse, und mein Prestige steigt. Harrys wichtigste surrealistische Grundtechniken sind Überraschung und Beleidigung. Ich hoffe, er lebt noch, wenn ich das nächste Mal nach Naropa komme. Nicht nur, weil er uns nach unserem ersten Besuch gesagt hat: ‚Macht’s gut, und wenn ihr ein Problem braucht, kommt wieder!‘“ AT


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