Mediaforschung

Nachfragekolumne

Medien | Lukas Plank | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Herr Rappold, warum haben Ihre Geschichten kein Ende?

Eine Frau und ein Mann fahren mit einem Lift, der plötzlich steckenbleibt. Heribert steht vor einer Regalwand mit Damenbinden und Tampons und „bricht angesichts der Fülle des Angebots fast in Panik aus“. Birgit und Stefan sitzen beim romantischen Essen, als Birgits Oberweite die „zu optimistisch gewählte Bluse sprengt“ und einen Knopf in Stefans Weinglas schleudert.

Seit kurzem finden sich diese drei Geschichten auf der Facebook-Fanpage von Bipa. Sie sind wenige Zeilen lang, schräg und allen fehlt das Ende. Das kann jeder selbst schreiben. Marie-Christine meint, dass Stefan sein Hemd auszieht und es Birgit gibt. Doris schreibt, dass Stefan den tieferen Ausschnitt unglaublich sexy findet. Und bei Marie-Therese ersetzt Stefan den fehlenden Knopf durch eine Schleife.

„Die Geschichten sind sehr emotional und lassen viele Interpretationen zu. Man will sie weiterschreiben und mit Freunden teilen“, sagt Dieter Rappold, Geschäftsführer der Onlineagentur vi knallgrau, die die Facebook-Applikation entwickelt hat.

Mit dieser wolle man vor allem Frauen mit hohem Kommunikationsbedürfnis ansprechen. Jeder kann die Enden der anderen bewerten und darauf hoffen, dass das eigene gut ankommt. Denn die besten Ideen werden mit Preisen belohnt. Und man kann seine Facebook-Freunde dazu einladen, ebenfalls mitzumachen.

Ist die Endenschreiberei ein Trick, um möglichst viele Menschen zu Facebook-Fans von Bipa zu machen? „Die Fanpage hatte bereits über 40.000 Fans, als die Applikation dazugekommen ist“, erklärt Rappold. Jetzt sind es 700 mehr. „Bipa in Love“ soll keine neuen User anlocken, sondern die Fans bei Laune halten. „Wir wollen die Community unterhalten und ihre Loyalität der Marke gegenüber steigern.“


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