Ins Mark

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Donja Noormofidi leitet den Politikteil im steirischen Falter

Das wird teuer!

Wie ein Ghetto entsteht? Ganz einfach: Man nehme Kindergärten mit über siebzig bis sogar neunzig Prozent an Kindern nicht deutscher Muttersprache, statte sie mit zu wenig Personal aus und sehe zu, was passiert. So sieht die Realität in einigen Grazer Kindergartengruppen aus. Die Pädagoginnen schlagen Alarm und fordern Zusatzkräfte.

Doch Stadt und Land verweisen auf die Zuständigkeit des jeweils anderen. Die Stadt sei für die Kindergärten zuständig, sagt SP-Landesrätin Elisabeth Grossmann, VP-Stadtrat Detlev Eisel-Eiselsberg antwortet, die Stadt könne das alleine nicht schaffen. In Schulen in Gries und Lend setzt sich das Problem fort, in diesen Bezirken liegt der Migrantenanteil über einem Viertel, EU-Bürger inbegriffen. Eine Integrationsstrategie gibt es nicht. Wenn Integrationsreferent Siegfried Nagl (VP) schon die Aktion „Wir verstehen uns“ als großen Wurf verkauft, weiß man, wie schwierig die Lage ist. Dabei wurden wichtige Sätze für Eltern in mehrere Sprachen übersetzt, um sie dann ins Elternheft zu picken. Mit 500.000 Euro Integrationsbudget macht man eben keine großen Sprünge.

Wie man Ghettos aufbricht? Der Bund müsste mehr Personal für die betroffenen Schulen bereitstellen, und die Klassen müssten verkleinert werden. Land und Stadt müssten gemeinsam dafür sorgen, dass Kindergartengruppen mit einem hohen Anteil an Kindern nicht deutscher Muttersprache zusätzliche Pädagogen bekommen. Der Gratiskindergarten kann seine Wirkung nicht entfalten, wenn Kinder mit Sprachdefiziten nicht ausreichend gefördert werden. Das ist zu teuer? Noch teurer wird es, wenn man riskiert, dass diese Kinder auf der Strecke bleiben. So einfach ist das.


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