Fragen Sie Frau Andrea

Ich, Akronym: mfg, mlg und mdgsdi

Kolumnen | aus FALTER 07/10 vom 17.02.2010

Andrea Maria Dusl beantwortet knifflige Fragen der Leserschaft

Liebe Frau Andrea,

ich bin eine von denen, die sich noch an das Klappern mechanischer Schreibmaschinen erinnern können. Aber ich gehe mit der Zeit und kommuniziere jetzt via E-Mail. Da erhielt ich kürzlich eine Nachricht, die mit „mdgsdi“ unterfertigt war. Können Sie mir verraten, was das bedeutet? Laut allwissender Müllhalle Google heißt „mdg“ „mit deutschem Gruße“, aber das kann/will ich nicht glauben.

Ergebenst, Magdalena, per Elektronachricht

Liebe Magdalena,

ich teile Ihre Sehnsucht nach Poesie im Nachrichtenverkehr, möchte aber bemerken, dass wir auch das Klappern mechanischer Schreibmaschinen einem menschlichen Bedürfnis verdanken: dem nach Beschleunigung von Arbeitsprozessen. Abkürzungen von Grußformeln mögen bisweilen unsere literarische Seele verletzen, praktisch sind sie allemal.

In den unendlichen Weiten der Tomlinsongalaxis, jenem Raum, den der US-amerikanische Programmierer Raymond Samuel Tomlinson 1971 mit dem Versenden der ersten E-Mail eröffnete, spielen Algorithmen eine tragende Rolle. Die bekannteste Abkürzung verwenden wir täglich dutzende Male, es ist das @, eine mittelalterliche Verschmelzung der Buchstaben a und t. Seit den 1880ern ist es auf englischen Schreibmaschinen als merkantiles Symbol nachgewiesen.

Als bekannteste deutschsprachige E-Mail-Salutation darf „mfg“ gelten, mit freundlichen Grüßen. Auch „mbg“, mit besten Grüßen, oder das intimere „lg“, liebe Grüße, sind aus der täglichen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. In der SMS-Welt zirkulieren die Formeln CU (see you), BB (bis bald), HDL (hab dich lieb), ILD (ich liebe dich) und das doch eher opulente HDGFL (hab dich ganz furchtbar lieb).

Aber kommen wir zu dem von Ihnen als rätselhaft vorgestellten Akronym „mdgsdi“. Dieses hat sich, wie er in einer Kolumne auch schon mal erklärt hat, mein geschätzter Kollege Klaus Nüchtern vor vielen Jahren zugelegt, um die Barockisierung des E-Mail-Verkehrs voranzutreiben. „mdgsdi“ ist, so Nüchtern, die international durchzusetzende Ersatzformel für so wortkarge Abkürzungen wie „mfg“ und heißt: „mit devoten Grüßen, stets der Ihre“. Hoffe Ihnen weitergeholfen zu haben und verbleibe: „mddbguwfguwléf! amd.“


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