Kritik

Ein Bergman-Film als Kammerspiel

Lexikon | Bettina Hagen | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Mit „Szenen einer Ehe“ brachte Ingmar Bergman modernes bürgerliches Eheleben anno 1973 zunächst ins schwedische Fernsehen, dann schickte er es als Film um die ganze Welt. Im intimen Rahmen des Schwarzen Salons im Volkstheater versucht nun Regisseur Rene Medvešek dieser „geschichtsträchtigen“ Anatomie einer Ehe auf den Leib zu rücken. Er gibt dem Paar, Johan und Marianne, einen Zeremonienmeister, gespielt von Raphael von Bargen, mit, der von Szene zu Szene führt, kommentiert und auflockernde Scherze treibt: etwa, wenn er als Geliebter mit der Ehefrau telefoniert, dabei neben ihr steht und sie begrapscht, während der Ehemann auf dem Sofa einer physischen Versöhnung harrt. Mit scheinbarer Leichtigkeit stülpen sich Rainer Frieb und vor allem Susa Meyer mit jedem Kostümwechsel eine neue Stimmung über, demonstrieren einmal Schwäche und dann wieder Stärke, sind dadurch aber als Charaktere nicht ganz fassbar. Und obwohl sich das Paar verletzt, trennt und am Ende doch so etwas wie eine Liebesbeziehung hat, überwiegen Trostlosigkeit und Einsamkeit.

Volkstheater, Schwarzer Salon, Mi 19.30


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige