Neu im Kino

Maskenmann, wortlos im Laufrausch: „Der Räuber“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 08/10 vom 24.02.2010

Wer dauernd läuft, ist unzugänglich: wie der Haftentlassene, der wortkarg und ohne Gesichtsausdruck in Wien wohnt, marathonläuft und Banken überfällt, Letzteres rauschartig, einmal gleich zwei hintereinander. Die Beute bleibt im Versteck, stiftet weder Wert noch Sinn.

Das gilt auch für die Inszenierung der Titelfigur und ist ein großes Plus von „Der Räuber“: Man hätte den Film gern noch abstrakter und unzugänglicher. Leider erspart er uns nicht ein paar signifikanzschindende Sager in Sachen „existenzielle Zuspitzung vs. leeres Dahinleben“. Doch in der zweiten Hälfte – nach manch starker Loser-Liebesszene zwischen Räuber und Exfreundin in einem 50er-Museum von einer Wohnung – läuft er zur Bestform eines understateten Actionkinos auf: Die endlose Flucht per pedes und Pkw vor der Polizei ins Wiener Umland hat mehr von Bresson und Melville als von Austrotristessekino. Hinzu kommt die interfilmische Intimbeziehung von „Der Räuber“ zu Kathryn Bigelows „Point Break“: Beide führen eine Ökonomie des Adrenalinkicks von außen vor und bieten irres Handkameralaufstakkato, und die Präsidentenmasken von Bigelows Bankräubern waren 1991 Hollywood-Echos der Fahndungsbilder jenes „Pumpgun-Ronnie“ aus Wien, auf dessen Lebenslauf (wie auch auf Martin Prinz’ Roman) „Der Räuber“ basiert. Dass der statt Ronnie-Reagan-Maske eine anonyme Larve trägt, wirkt wie eine filmische Wendung vom Obszönen der Politik ins Jedermannhafte; den umgekehrten Weg ging Regisseur Benjamin Heisenberg 2005 in seinem Debüt „Schläfer“ (in dem Terrorparanoia eine Freundschaft ruiniert).

Unter der Maske: Andreas Lust, der konzentriert spielt und obsessiv läuft wie schon in „Revanche“, diesmal ohne Schuldgefühl, Psychoballast oder nur ein Gramm Fett. Super Body, super Antlitz, mit einem Hauch von Boris Karloff – auch er eine Filmikone solcher Outsider, die ohne Worte und Seele rührend sind.

Ab Fr in den Kinos


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